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"Und deshalb kämpfen wir gemeinsam auf unterschiedlichen Ebenen, dass die Arbeitsplätze bei HP, bei EDS erhalten bleiben können" (Gerald Weiß, CDU)

1000 Kolleginnen und Kollegen demonstrierten in Rüsselsheim unter dem Motto „Ja zu HP, aber für ALLE"! Der Aktionstag gegen den geplanten Personalabbau fand großes öffentliches Interesse.

Bundestagsabgeordnete bei der Veranstaltung

Gerald Weiß (CDU):

„Ich überbringe die Solidarität und Unterstützung der ganzen Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU im Bundestag im Kampf um die Arbeitsplätze. Wir stehen auf eurer Seite, damit die Arbeitsplätze erhalten werden können. Es muss Schluss sein, mit kurzfristigem Renditedenken, mit dem Denken vom grünen Tisch, mit weltfremden Vorgaben, die die kleinen Leute am Ende austragen müssen.

Was hier das Management von HP loslässt vom weltfernen grünen Tisch, hat mit Sozialverantwortung und Sozialpflichtigkeit des Eigentums nichts mehr zu tun. Und wir klagen diese Sozialpflichtigkeit des Eigentums ein - heute gemeinsam hier in Rüsselsheim.

Der größte Schatz, den ein Unternehmen hat, sind die Mitarbeiter. Es ist zynisch und verantwortungslos jetzt ein Viertel der Mitarbeiter nach Hause schicken zu wollen. Arbeit für die Menschen muss die Losung sein und nicht, Menschen zum Arbeitsamt zu schicken.

Und deshalb kämpfen wir gemeinsam auf unterschiedlichen Ebenen, dass die Arbeitsplätze bei HP, bei EDS erhalten bleiben können."

 

Gerold Reichenbach (SPD):

„Es geht nicht darum, bei einem Viertel der Belegschaft Synergieeffekte zu erzielen.M an kann sich ausrechnen, wie uneffektiv die Unternehmen hätten sein müssen, wenn man fast ein Viertel der Belegschaft an Synergieeffekten heraus bekommt. Hier geht es darum, eine schnelle Mark zu machen, daran sieht man, dass viele im Management die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt und noch nichts gelernt haben. Denn an dieser Stelle war Karl Marx klüger als Ackermann, denn Geld schafft kein Geld sondern es sind Mitarbeiter in Unternehmen, die Werte schaffen, aber nicht Geldscheine selbst.

Ein Unternehmen ist nicht stark und kräftig am Markt, wenn es Arbeitskräfte entlässt, sondern es ist stark und kräftig am Markt, wenn es Mitarbeiter einstellt. Zu dieser Lehre müssen wir wieder zurück kommen.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, Shareholder Value ist ganz schnell in Luft aufgelöst, Arbeitsplätze, Produkte und Menschen aber nicht. Wir müssen weg von dieser menschenverachtenden Politik. Deshalb meine ganze Solidarität mit Ihrem Arbeitskampf und viel Erfolg bei dem Erhalt Ihrer Arbeitsplätze. Es geht auch um den Erhalt von vernünftigem Wirtschaften gegenüber Unsinn."

Viele sind gekommen

So eine „gemeinsame Mittagspause am Brunnen" hat EDS in Rüsselsheim noch nicht erlebt! Der Aktionstag am 21.10. war ein voller Erfolg: Wann, wenn nicht jetzt, müssen wir gegen die ungeheuerlichen Pläne auf die Straße gehen? Wie können wir da noch still sein?

Und es kamen ganz, ganz viele:
Schon am frühen Morgen begann der Aktionstag für 150 KollegInnen, die die Reise nach Rüsselsheim mit dem Bus angetreten sind: aus Bochum, Essen, Wuppertal, Köln, Düsseldorf und Schweinfurt. Ein Urlaubstag futsch, eine lange Fahrt, aber kämpferische Stimmung und große Entschlossenheit, gegen die Massenentlassungen zu protestieren! Nur die Ludwigsburger wären lieber gleich zur HP-Zentrale nach Böblingen gefahren: „kürzer und wirkungsvoller". Sie sind trotzdem zahlreich gekommen, denn „Wenn jeder Vierte gehen muss, ist auch in Ludwigsburg bald Schluss"; die Sternfahrt nach Böblingen ist vielleicht nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben!

„Aber wir hatten überhaupt keine Vorstellung davon, was sich da in den letzten 14 Tagen an Interesse, Unterstützung und praktischer Solidarität zusammen gebraut hat", stellte Stephan Buchal vom Rüsselsheimer Betriebsrat in seiner Begrüßung fest. Es war wirklich erstaunlich; viele KollegInnen aus anderen Firmen waren anwesend: eine Delegation von Opel, Kollegen aus dem Rüsselsheimer Krankenhaus, von der Hanauer Vacuumschmelze, von der Firma Imtech aus der Eisenstraße, gleich gegenüber. Auch Kolleginnen und Kollegen von unseren „EDS-Schwesterfirmen", der Application Services, der Business Solutions und der ITellium sind extra nach Rüsselsheim gekommen und haben uns auf der Kundgebung unterstützt. Besonders gefreut haben wir uns auch über die Unterstützung durch KollegInnen und Kollegen von HP, einige BetriebsratskollegInnen waren persönlich angereist, aus fünf HP-Standorten (Berlin, Böblingen, Frankfurt, Bad Homburg und München) haben wir Solidaritätsresolutionen bekommen. Sabine Bube, GBR-Vorsitzende, freute sich darüber sehr:  „Liebe Kolleginnen und Kollegen von HP! Seid herzlich willkommen. Es ist gut und richtig, wenn wir jetzt und künftig zusammenhalten".

Auch die angesprochenen Politiker waren spontan bereit, uns zu unterstützen.
Allen voran die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Groß-Gerau: Gerald Weiss (CDU) und Gerold Reichenbach (SPD) sprachen sich klar und deutlich gegen die geplanten Massenentlassungen aus. Die Landtagsabgeordnete Renate Meixner Römer (SPD), Vorsteherin der Rüsselsheimer Stadtverordnetenversammlung, entschuldigte sich in einer Mail wegen dringender Verpflichtungen im Landtag und versicherte uns ihrer „Solidarität gegen diesen kurzsichtigen und unverantwortlichen Stellenabbau bei der EDS". Auch der Rüsselsheimer Oberbürgermeister, Stefan Gieltowski, musste sich leider wegen einer Magistratssitzung entschuldigen lassen, aber sicherte dem Betriebsrat gegenüber seine Unterstützung für die Kolleginnen und Kollegen bei EDS zu.

Besonders erstaunlich war der "Medienrummel", den unser Aktionstag hervorgerufen hat.
Vorberichte gab es z.B. in der Computerwoche, der Frankfurter Rundschau und der Mainspitze. Auch der Hessische Rundfunk und FFH berichteten schon am frühen Morgen über die bevorstehende Kundgebung. Viele Journalisten waren auf der Pressekonferenz, zu der IG Metall und ver.di in das Columbia-Hotel zu 12:00 Uhr eingeladen hatten. Presse, Funk und Fernsehen führten während der Kundgebung viele Interviews mit den Kolleginnen und Kollegen durch und berichteten ausführlich über unseren Kampf gegen die Massenentlassungen. "EDS in der Hessenschau" - schade, dass es das nicht früher und zu schöneren Anlässen gegeben hat. Eine ausführliche Pressemitteilung von dpa kam schon um 15:30 Uhr in den Redaktionsstuben an.

Das Ganze wäre ohne die umfangreiche Unterstützung durch ver.di und IG Metall so überhaupt nicht möglich gewesen.
Die Gewerkschaftskollegen haben tatkräftig mitgeholfen, die Kontakte zu knüpfen, die Öffentlichkeit herzustellen, den Aktionstag zu organisieren und auch finanziell zu unterstützen. Es wurde deutlich, dass die EDS-Beschäftigten ihre Handlungsmöglichkeiten deutlich verbessert haben, indem sie sich bei ver.di und IG Metall organisiert haben.

So gesehen war die Kundgebung ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den geplanten Personalabbau und für einen Haustarifvertrag bei EDS!