04. März 2009: Dritter Warnstreik bei EDS: Treffen vor den Toren der CeBIT
Immer noch gibt es keine Verhandlungsbereitschaft der EDS-Geschäftsleitung. Deshalb machen sich die Beschäftigten aller Standorte ein weiteres Mal bemerkbar: Diesmal trafen sie sich vor den Toren der CeBIT in Hannover und machten auch mit einer kleinen, unkonventionellen Aktion am Stand eines Partnerunternehmens von HP auf die Situation bei EDS aufmerksam.

Wieder waren die Kolleginnen und Kollegen aus allen Himmelsrichtungen angereist - die weiteste Anreise hatten die Ludwigsburger. Ihr Bus startete bereits um 4 Uhr in der Früh. Aber auch die Rüsselsheimer hatten diesmal eine weite Anreise auf sich genommen - mit von der Partie war auch ein Reporter des Hessischen Rundfunks, der für die Hessenschau einen ausführlichen Filmbeitrag erstellt hat. In diesem Beitrag wird der Tag auf der CeBIT, aber auch die Motive und Hintergründe für die Aktionen sehr gut beschrieben: Die Streikenden setzen sich dafür ein, dass es bei EDS/HP auch weiterhin gute Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen gibt, damit sich die Beschäftigten mit aller Kraft um den Kunden und seine Anforderungen kümmern können. Das, was EDS in der Vergangenheit ausgemacht hat, darf nicht einfach durch den Kauf von HP zerstört werden.
Zum Treffen direkt unter dem Skywalk vor dem West-Eingang haben sich zum Kundgebungsbeginn ca. 1200 Beschäftigte getroffen. Verstärkt wurden die EDSer durch 300 auch im Warnstreik befindliche Kollegen der Firma Avaya. Wie schon beim letzten Warnstreik in Ratingen wurde die Veranstaltung von der Wuppertaler Band "BestShore" mit rockiger Musik und bissigen Texten eingeleitet.

Hauptredner der Veranstaltung waren Helga Schwitzer, Vorstandsmitglied der IG Metall und Michael Jäkel, Bundesfachgruppenleiter IT/DV bei ver.di. Beide forderten dazu auf, in der Auseinandersetzung nicht nachzulassen. Sie machten deutlich, dass der von den Geschäftsleitungen EDS und HP geplante Personalabbau ohne Not stattfinden soll: "EDS soll bluten, damit HP völlig illusorische Gewinnmargen realisieren kann", sagte Helga Schwitzer - und weiter: "In einer Zeit, in der überall darüber geredet wird, wie wir Arbeitsplätze sichern können, betätigt sich EDS alias HP als riesig große Jobvernichtungsmaschine. 1939 haben sich Hewlett und Packard in einer Garage getroffen, um innovative Lösungen zu entwickeln - jetzt fordern wir HP auf: Es muss Schluss sein mit diesen uralten Lösungen: Zeigen Sie, dass sie wirklich ein innovatives Unternehmen sind".
Michael Jäkel wies auf die Gemeinsamkeit diverser Unternehmen in der IT/TK-Branche hin: "Ihre gemeinsame
Strategie ist die Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten". Er zeigte sich beeindruckt von der Teilnehmerzahl bei der
Kundgebung und betonte: "Es ist das gute Recht der Belegschaften, gesicherte Bedingungen in Tarifverträgen zu erstreiten.
HP
muss jetzt endlich einlenken () Das Engagement muss noch fortgesetzt werden".
Eine Aktion am Rande der Kundgebung zeigte, dass der Protest vielfältige Formen annehmen kann. HP hatte keinen eigenen Stand auf der CeBIT. Ob dies für ein Unternehmen, das Marktführer der IT-Branche werden will, gerechtfertigt oder ob dies ein Zeichen für die Bedeutung ist, die HP dem deutschen Markt zumisst, wissen wir nicht und wollen es auch nicht beurteilen. Vielleicht hatte HP ja auch Angst vor öffentlicher Kritik und war sich bewusst, dass man um einen Messestand keinen Zaun ziehen kann, so wie sie es in Ratingen extra getan hat, als wir die Niederlassung zum 2. Warnstreik am 25. Februar besuchten.
Eine Kollegin berichtet: "Wir haben uns den Stand der Firma Kisters, eines Partners von HP, für unsere Aktion ausgesucht. Kisters vertreibt u.a. Druckerhardware von HP, hat aber auch Geschäftsbereiche rund um Energie, Ressourcenmanagement, Umweltschutz, Arbeitsschutz, Produktsicherheit und IT-Lösungen. Natürlich richtete sich die Aktion nicht gegen Kisters und wir bedanken uns für die freundliche Duldung!
Aus verschiedenen Richtungen sind viele Kolleginnen und Kollegen in Richtung Stand gekommen. Auf ein Zeichen haben sie sich vor den Stand auf dem Boden gelegt und sich mit einem Plakat "Ein Opfer der HP-Profitgier" bedeckt. Dort haben wir eine Weile gelegen und die Gänge verstopft. Diese Aktion hat jeden beeindruckt, der sie gesehen hat - gewaltfrei aber deutlich wurde auf die Folgen der HP-Pläne hingewiesen. Viele Passanten wurden aufmerksam und haben sich über die Hintergründe durch unsere Flugblätter und mündliche Informationen informiert und die Aktion begrüßt".
Die Fahrt zur CeBIT war eine aufwändige Aktion, die in den Medien einbreites Echo gefunden hat: Tagesschau, Hessenschau und überregionale Zeitungen und Fachpresse haben den Warnstreik dokumentiert. Deshalb war auch der 3. Warnstreik ein voller Erfolg! Es ist beeindruckend, wie viel Engagement und Energie die EDS Beschäftigten aufbringen, um für ihre Arbeitsplätze, ihre Kunden und ihre Zukunft zu kämpfen. Sollte das den Geschäftsleitungen von HP und EDS nicht zu denken geben? Soll dieses ganze Potenzial wirklich demnächst auf die Straße gesetzt werden?
Natürlich konnten viele Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Gründen nicht mit nach Hannover kommen. Eine ganztägige Abwesenheit von zu Hause ist kompliziert und bedarf manchmal längerer Vorbereitungszeit als zur Verfügung stand. So sind Hunderte dem Streikaufruf gefolgt und haben nicht gearbeitet - das ist sicher kein Zeichen von Schwäche!
Immer noch haben wir keine Zeichen von der Geschäftsleitung bekommen, dass sie Verhandlungen aufnehmen wollen. "Wir haben ein Interesse daran, dass man sich an einen Verhandlungstisch zusammen setzt und dass man vernünftig miteinander über Lösungen redet, in denen die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Wir müssen den Druck zu HP bringen und wir müssen den Druck noch erhöhen", sagte Juan-Carlos Rio Antas auf der Kundgebung. Wir wollen den Druck erhöhen, indem wir noch mehr Beschäftigte für unsere Aktionen gewinnen und noch stärker deutlich machen, dass wir für alle Beschäftigten von EDS sichere und gute Arbeitsplätze erstreiten wollen. Die Geschäftsleitung versucht, mit ihren EMails Keile zwischen die Beschäftigten zu treiben, indem sie zwischen Streikenden und denen unterscheidet, die durch ihre Arbeit während der Streiks "einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen geleistet haben". Hierdurch sollten wir uns nicht beeindrucken lassen, nur durch gemeinsamen Widerstand werden wir die Pläne von HP durchkreuzen können. Wir wünschen uns weiterhin die tolle Beteiligung wie an den letzten drei Warnstreiks.
Weitere Bilder vom Tag auf der CeBIT gibt es in der Bildergalerie.


